Momente & Begegnungen

Was man
nie vergisst

Reisen verändert einen. Sudan verändert einen besonders. Es sind nicht die großen Sehenswürdigkeiten allein, die bleiben – es sind die kleinen Momente, die unerwarteten Begegnungen, die Stille, die einen überwältigt.

Erlebnis 01

Sonnenaufgang über
Meroe

Vier Uhr morgens. Der Guide klopft an die Zimmertür. Draußen ist es noch dunkel und überraschend kühl. Wir fahren schweigend durch die Wüste, das Licht der Scheinwerfer frisst sich in die Schwärze. Dann – am Horizont – ein zartes Orange.

Die Pyramiden von Meroe tauchen langsam aus der Dunkelheit auf. Erst als Silhouetten, dann als massive Steinfiguren vor einem Himmel, der von Dunkelrot über Orange zu hellem Blau wandert. Kein anderer Mensch ist da. Nur wir, die Stille, und 2000 Jahre alte Steine, die das Licht des Morgens aufnehmen wie je zuvor.

"In diesem Moment verstand ich, warum Menschen Tausende von Kilometern reisen, um dieses Land zu sehen."

Es ist einer der schönsten Momente meines Lebens gewesen. Und ich habe noch nicht einmal eine gute Erklärung dafür, warum. Es war einfach richtig.

Pyramide von Meroe im frühen Morgenlicht
Erlebnis 02

Tee & Gastfreundschaft –
eine unerwartete Einladung

Wir hatten uns verfahren. Irgendwo zwischen Naqa und der Hauptstraße stand unser Fahrzeug in tiefem Wüstensand, und unser Guide fluchte leise auf Arabisch. Da erschien aus dem Nichts ein alter Mann mit einem Kamel.

Eine halbe Stunde später saßen wir in seinem Zelt und tranken süßen Tee mit Kardamom. Er sprach kein Wort Deutsch, wir kein Wort Arabisch, aber die Kommunikation funktionierte trotzdem: Lächeln, Gesten, der universelle Ausdruck von Dankbarkeit. Er fragte nicht, wer wir waren. Er fragte nicht, woher wir kamen. Er bot einfach an, was er hatte.

Diese Gastfreundschaft, die man in Sudan überall antrifft, ist eines der prägendsten Elemente der Reise. Man wird behandelt wie ein Gast, den man schon immer erwartet hat.

Widder-Sphingen am Tempel von Naqa, Sudan
Erlebnis 03

Zwischen den
Tempeln von Naqa

Man steht zwischen diesen Steinskulpturen und versteht plötzlich, wie viel Zeit bedeutet. Die Widder-Sphingen, jede einzelne sorgfältig in Spirallocken gehauen, haben Jahrhunderte überdauert. Römische Reiche sind entstanden und vergangen. Die Welt hat sich unzählige Male verändert. Und diese Steine stehen noch.

Was mich am meisten faszinierte: das Tor des Tempels von Naqa, durch das man hindurchschaut und das nächste Tor dahinter sieht, dahinter die Weite der Wüste. Dieser Fluchtpunkt, dieser architektonische Dialog zwischen Innenraum und Unendlichkeit, wirkt fast modern. Als hätten die Architekten von Meroe etwas verstanden, das wir heute wieder entdecken.

Ich stand lange dort, beobachtete das Licht, das durch das Tor fiel, und dachte: Manche Orte verlangen einfach Stille.

Tempeltor von Naqa mit Durchblick in die Wüste

Lesen Sie meinen persönlichen Reisebericht – mit einer überraschenden Wendung, die mir fast den Urlaub ruiniert hätte.

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