Orte & Monumente

Wo Geschichte
greifbar wird

Sudan besitzt mehr antike Stätten pro Quadratkilometer als fast jedes andere Land der Erde. Die meisten davon betritt man vollkommen allein – ohne Warteschlangen, ohne Menschenmassen, nur man selbst und Jahrtausende alter Stein.

01
UNESCO-Weltkulturerbe

Pyramiden von Meroe

Wer zum ersten Mal die Pyramiden von Meroe über eine rote Sandebene heranwachsen sieht, glaubt zunächst, sich zu irren. Sind das wirklich Pyramiden? Ja – aber anders als man sie kennt. Die meroitischen Pyramiden sind steiler, schlanker und mit einem kleinen Tempelanbau versehen. Über 200 von ihnen stehen in der sudanesischen Wüste nördlich von Khartoum.

Was diese Stätte so besonders macht: die absolute Stille. Kein Buskonvoi, keine Souvenirverkäufer, keine langen Schlangen. Man steht zwischen diesen gewaltigen Steinkonstruktionen, 2000 Jahre alt, und ist vollkommen allein mit der Geschichte. Der Sonnenaufgang über den Pyramiden gehört zu den eindrucksvollsten Momenten, die ich je erlebt habe.

Praktische Info

Meroe liegt ca. 200 km nördlich von Khartoum. Früher Aufbruch lohnt sich – morgens ist es kühler und das Licht für Fotos ideal. Eintritt ca. 10 USD. Kamele für den Besuch können vor Ort gemietet werden.

Pyramide von Meroe mit Tempelanbau im Sudan
Pyramide von Meroe mit charakteristischem Tempelanbau · ca. 200 v. Chr.
02
Tempel des Königreichs Kusch

Tempel von Naqa & Musawwarat

Tempeltor von Naqa im sudanesischen Wüstensand
Tempeltor von Naqa mit Widder-Sphingen · Königreich Kusch

Etwa 50 Kilometer südöstlich von Meroe liegen die Tempel von Naqa und Musawwarat es-Sufra – zwei der am besten erhaltenen antiken Stätten Sudans. Naqa beherbergt den einzigartigen römisch-ägyptischen Kiosk: eine offene Halle, in der ägyptische, griechische und meroitische Stilelemente auf faszinierende Weise verschmelzen.

Noch beeindruckender aber sind die Widder-Sphingen, die den Zugang zu den Tempeln flankieren. Mit ihren spiralförmig eingeritzten Wolllocken und dem würdevollen Blick wachen sie seit über 2000 Jahren über die Stätte. Jeder Widder trägt zwischen seinen Vorderbeinen eine kleine menschliche Figur – ein König, der unter dem Schutz des Gottes Amun steht.

Musawwarat es-Sufra, wenige Kilometer entfernt, überrascht mit einem riesigen Tempelkomplex, dessen genaue Funktion die Archäologen bis heute rätselt. Elefantenreliefs an den Wänden legen nahe, dass hier Elefanten für militärische Zwecke ausgebildet wurden.

03
Khartoum & Omdurman

Die Hauptstadt am Nil

Khartoum ist eine Stadt der Kontraste: Moderne Hochhäuser stehen neben kolonialen Bauten und antiken Moscheen. Am spektakulärsten ist der Zusammenfluss von Blauem und Weißem Nil – der Mogran, eine Stelle, an der man das unterschiedliche Wasser der beiden Ströme mit bloßem Auge voneinander unterscheiden kann.

Gleich gegenüber liegt Omdurman, die spirituelle Hauptstadt Sudans. Hier findet jeden Freitagnachmittag der Whirling-Dervish-Ritual statt: Sufimönche in farbenprächtigen Gewändern tanzen im Kreis, immer schneller, in Trance versetzt. Es ist ein Anblick von unbeschreiblicher Intensität. Omdurman ist auch für seinen Markt bekannt – einer der größten traditionellen Märkte Nordafrikas, auf dem alles von Gewürzen bis Goldschmuck gehandelt wird.

Im Nationalmuseum Khartoum schließlich kann man die geretteten Fresken aus nubischen Kirchen bewundern, die beim Bau des Assuan-Staudamms aus den überfluteten Gebieten geborgen wurden. Ein stilles, bewegendes Zeugnis einer verlorenen Welt.